Ein Vergleich: Viktorias erste Wochen an der Waldorfschule und ihrer Freunde an der staatlichen Schule

Hey Ihr Lieben,

viele fragen mich auf Instagram, ob ich nicht mal einen kleinen Einblick in die ersten Wochen an der Waldorfschule erläutern könne. Klar kann ich, hier kommt also ein Vergleich. Und zwar zwischen den Freunden von Viktoria und ihren Schulerlebnissen nach der Einschulung und unseren ersten Wochen.

Und ich verspreche: Was ich über unsere Waldorfschule schreibe ist so. Wirklich:)

Was mir vermehrt auffällt: Die Eltern von Erstklässlern anderer Schulen haben teils (!! wichtig: Es ist nicht überall gleich. Auch andere Waldorfschulen können „doof“ sein!!!) ziemlich heftige erste Wochen hinter sich.

Weinende Kinder. Hausaufgaben bis zum Heulkrampf. Lehrer, die ADS „diagnostizieren“ und gleich einen Gang zum Ergotherapeuten verordnen. Ja, nach einem Monat Schule!

Und ich habe mich nicht nur mit einer Hand voll Eltern ausgetauscht.

Wenn ich all das höre, bekomme ich oft schon beinahe ein schlechtes Gewissen. Denn Viki hüpft morgens geradezu aus dem Bett und führt einen kleinen Stepptanz auf, sobald ihr Schulbus um die Ecke biegt um sie abzuholen.

Und da fängt unser privates Wunder auch bereits an:

Ich müsste zu unserer Waldorfschule ca. zehn Minuten mit dem Auto fahren. Ist ja eigentlich kein Thema, kostet aber Kilometer, und wir haben nur einen Firmenwagen, nutzen ja ansonsten immer das Lastenrad.

Die Schule hat einen Fahrkreis, alle Kinder werden morgens von Schulbussen in ihrer Strasse abgeholt und bis zur Schule gebracht.

Im Ernst, das nimmt uns so viel Aufwand ab, zumal ich bald wohl einen Job in einer Werbeagentur annehme, der ganztags ist. Da wäre der Weg zur Schule für mich unmöglich.

Seit der Einschulung betreuen Paten aus der neunten Klasse unsere Erstklässler. Und das mit so unfassbar viel Liebe!!!

Sie erwarten die Kleinen an der Bushaltestelle und bringen diese dann in ihre Klasse. Sie verbringen die Pausen und das gemeinsame Frühstück mit der ersten Klasse. Sie spielen (!!!) mit ihnen, und lesen Geschichten vor.

Und das mit INBRUNST, Ja, in der neunten Klasse, wo andere spöttisch reagieren würden, wenn sie auf die Minis der Schule treffen.

Auch der Unterricht ist ganz anders, als wie ich es aus meiner Schulzeit kenne:

Zunächst beginnt jeder Tag mit einem Bewegungs- und Rhythmusteil. Es wird geklatscht, gestampft, balanciert, gesungen. Es werden immer wieder die selben Sprüche aufgesagt, die sich je nach Jahreszeit / Tag anpassen lassen.

Nach dieser Einführung ist die Klasse in einem mental ausgeglichenen Zustand und bereit, den Lernstoff aufzunehmen. Oder lasst uns sagen „aufzusaugen“.

Denn auch die Aufbereitung des Unterrichtsstoffes ist an der Waldorfschule anders. Alles ist bunter, freundlicher, liebevoller. Die Hefte werden mit vielen bunten Farben und Formen gefüllt, man kann förmlich sehen, wie lebendig sie Sprache ist.

Von den Freunden aus Vikis Kindergarten bekommen wir erzählt, wie die Hausaufgaben aussehen sowie die Arbeitsblätter. Ja, so habe ich lesen und schreiben gelernt.

UND ICH KANN ES NATÜRLICH. ICH MUSS AUCH GESTEHEN, DASS ICH IN DER GRUNDSCHULE NIE WAS VERMISST HABE. DENN MEIN LEHRER DAMALS WAR EIN MENSCH VON HERZ UND DIE KLASSE EIN GENIALER HAUFEN. Angst vor der Schule hatte ich nie. Jedenfalls nicht in der Grundschule.

Heute ist jedoch vieles ganz anders. In den meisten Klassen sind viele Kinder. 30 Kinder pro Klasse sind absolut keine Seltenheit. Inklusion muss, egal wie die Lehrer ausgelastet sind auch irgendwie (und das ist so schade. Für die inkludierten Kinder und deren Klassenkameraden) geschafft werden.  Mich stört hier nicht der Tatsache, dass Inklusion an fast jeder Schule vorzufinden ist. Sondern das WIE. Dass es kein Personal gibt, welches Lehrer unterstützt (Realität und Plan laufen nun einmal weit auseinander).

An unserer Schule ist Inklusion seit der Gründung vor 20 Jahren normal. Alle Klassen haben einen Klassenleiter sowie eine heilpädagogische Lehrkraft. Und zwar nicht auf dem Papier sondern ganz real.

Bei uns ist es ein Klassenlehrer (… in den Viki ganz klischeemäßig ganz dolle verliebt ist) und eine Lehrerin, die etwas von einer Elfe hat. Die beiden strahlen gemeinsam so viel Herzlichkeit, Wärme aber auch Durchsetzungsvermögen aus, so perfekt trifft es auch nicht gerade jede Klasse;)

Die Klasse besteht aus derzeit 18 Kindern. Und sieht so aus:

Es gibt erst ab der zweiten Klasse Stühle, noch sitzen die Kinder auf Dinkel-Sitzkissen. Die Tische werden morgens umgedreht und es wird geturnt, balanciert und im Raum bewegt.

Ich weiß, nicht jede Mama und nicht jeder Papa wünschen sich für ihr Kind, dass Bewegung und Musik genau so wichtig sind, wie der Lehrplan. Aber für MEIN KIND ist es das und immer, wenn Viki aus der Schule kommt, sehe ich Strahlen, Glück und Zufriedenheit.

Das tut mir als Mutter unfassbar gut. Ich sehe so viele Kinder mit Bauchschmerzen vor der Schule, und das geht bereits in der ersten Klasse zu keinem geringen Teil los:( An unserer Schule herrscht so viel Frieden, Freude, Harmonie. Auch bei den Jugendlichen. Niemand steht frustriert in einer Ecke und erzählt seinen Freunden bei einer Zigarette von dem Stress, den die Schule bietet.

Und dieses Bild hat sich so in meinen Kopf gebrannt… Da hatte ich wohl einfach auch kein Glück mit meinen staatlichen Schulen;)

Denn zum Ende muss ich noch einmal erwähnen:
NICHT ALLE STAATLICHEN SCHULEN SIND DOOF, NICHT ALLE WALDORFSCHULEN BULLERBÜ. 
NICHT ALLE LEHRER AN STAATLICHEN SCHULEN SIND UNKREATIV UND DIE WENIGSTEN HERZLOS:)

Ich bin nur ein Bruchstück aus dem Mosaik der deutschen Schulwelt. Und für uns ist es alles perfekt, unsere Wahl war einfach „genau richtig“.

Jetzt noch ein Kommentar einer Nicht-Waldorf-Mama aus meinem Bekanntenkreis:

„Wie, dein Kind lernt Schreiben, bevor es das Wort tanzt? Ich dachte, die schreiben und Lesen erst ab der dritten Klasse!“. 

So ähnlich habe ich übrigens bis vor sieben Jahren auch gedacht^^

Liebe Grüße

Eure Mira

 

 

Eine Antwort auf „Ein Vergleich: Viktorias erste Wochen an der Waldorfschule und ihrer Freunde an der staatlichen Schule“

  1. Liebe Mira,
    vielen Dank für den wunderschönen Artikel. Ich hoffe, dass unsere Tochter genau solch einen Start in die Schule auch erleben darf.
    Es freut mich sehr, deinen Bolg gefunden zu haben. Liebe Grüße Lotte

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