Die Wackelzahn-Depression

Mein liebstes Kind.

Heute schreibe ich dir, weil ich sehr hoffe, dass wir beide in einem Jahr über diese Zeilen lachen werden. Denn die letzten Tage waren nicht so schön für dich.

Eigentlich ist alles super. Du hast tolle Freunde, bist hier in der Straße sehr beliebt. Und spielst ganz viel mit Stina, deiner besten Freundin.

Aber dein Harz hat etwas realisiert, dass dich offensichtlich sehr überrumpelt:

Du bist bald ein Schulkind.

Sprich: Du bist nicht mehr länger ein Kindergartenkind. Und bisher war dieses ganze Ding mit der Schule einfach nur ein Spiel für dich, welches weit, weit weg liegt. Doch nun, wo sich die Dinge so langsam dem Ende der Kindergartenzeit zuwenden, wird dir klar, dass auch etwas sehr großes zuende geht: Deine KINDERGARTENZEIT.

Deine Kindergartengruppe wird fast komplett in verschiedenste Schulen wechseln.

Deine Erzieher sprechen davon, dass man „Abschied nimmt“.

Manche Kinder sind sogar schon aus dem Kindergarten abgemeldet und hinterlassen leere Fächer in der Garderobe.

Dieser Tag, an dem du stolz wie Bolle den Kindergarten verlässt, um selbstbewusst in die Schule zu wechseln, ist, wie du nun merkst, auch mit Abschieden verbunden.

Und noch etwas macht es dir schwer:

Du hast ja natürlich noch keine Ahnung, wie es sein wird nach den Ferien.

Wie wird die Schule sein? Was für Kinder werden in deiner Klasse sein? Wie sind die Lehrer? Wie wird es sich anfühlen, plötzlich ein SCHULKIND zu sein?

Dieses UNGEWISSE macht dir Sensibelchen extrem zu schaffen. Du bist wahnsinnig anhänglich, und warst sogar plötzlich am weinen, was mich besonders erschrickt, weil du ansonsten so unfassbar lebenslustig bist.

Und wenn ich dich dann tröste, kannst du gar nicht genau sagen, warum du weinst.

Du findest es doof, dass der Kindergarten bald vorbei ist.

Und bist gleichzeitig neugierig, gespannt und unfassbar aufgeregt auf deinen ersten Schultag.

Deswegen wechselt deine Stimmung auch sehr schnell.

Deine Erzieher sagen mir, das wäre total normal. Jedenfalls für Kinder, die so lange in den Kindergarten gingen, wie du. Auch deine drei Freunde sind so „drauf“ wie du, wie ich erzählt bekam. Man sieht es euch an: Ihr fühlt euch wackelig. Genau wie eure Zähne.

Nicht mehr 100% Kindergartenkind und noch kein Schulkind.

Das ist eine schwierige Zeit, die zum Glück ganz schnell vorbei gehen wird.

Wir kuscheln nun wahnsinnig viel. Und lesen viele Bücher darüber, wie es andere Kinder empfinden, ein Schulkind zu werden.

Und zum Glück bist du ja auch noch in zwei Urlaubszeiten: Dein Papi wartet schon auf dich. Und deine Reiterferien mit deinen Freunden.

Und dann, ja dann ist es so weit:

DANN BIST DU ENDLICH EIN RICHTIGES, ECHTEN SCHULKIND.

Und ich bin jetzt schon unfassbar stolz:)

Tausend küsse und eine extra Portion Knuddel!
Deine Mami

 
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Eine Antwort auf „Die Wackelzahn-Depression“

  1. Genau dieses Wechselbad der Gefühle durchleben wir hier auch mehrmals täglich – und mir selbst geht es nicht viel besser. Mal bin ich stolz, wie groß und selbständig mein Löwenjunge ist – und im nächsten Moment frage ich mich, wann um Himmels willen aus meinem Baby dieser wunderbare Rabauke geworden ist, und vermisse unsere Babyzeit….

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